RESILIENCE Training in Rom: Religiöse Kultur durch Musik und Handschriften erleben
Wie lassen sich mittelalterliche Musik und Handschriften als lebendige Quellen religiöser Kultur erfahrbar machen? Ein aktuelles Training im Rahmen von RESILIENCE in Rom zeigt, wie sich durch die Verbindung von sinnlicher Erfahrung, digitalen Methoden und praktischer Arbeit neue Zugänge zum kulturellen Erbe eröffnen.
Lernen durch Erfahrung statt nur durch Theorie
Das Training „Visions of Italy: How to Hear, Read, and Experience Religious Culture through Medieval Music and Manuscripts“ war Teil eines zweiwöchigen Studienprogramms der Catholic University of America (CUA) am Rome Center. Der Kurs vermittelt Grundlagen zur Arbeit von Kulturinstitutionen wie Bibliotheken, Archiven und Museen sowie zu Strategien der Vermittlung von Kulturerbe.
Vor diesem Hintergrund hatte die Catholic University of America gezielt ein RESILIENCE-Training für ihr Programm in Rom angefragt. Ausschlaggebend war dabei, dass die RESILIENCE Work Unit Training während der Preparatory Phase praxisnahe und übertragbare Trainingsformate entwickelt hat, die sich für unterschiedliche Zielgruppen in der religionswissenschaftlichen und kulturwissenschaftlichen Forschung eignen.
Im Mai 2026 organisierte RESILIENCE daraufhin ein ganztägiges Training für 19 Masterstudierende aus Washington, D.C., die im Bereich “Cultural Heritage” an der CUA studieren. Das Training ergänzte das Studienprogramm um eine interdisziplinäre und erfahrungsbasierte Perspektive auf religiöses Kulturerbe. Die Koordination des Trainingstages oblag dem Konsortiumpartner InfAI e.V.
Interdisziplinäre Zugänge: Musik, Handschriften und digitale Methoden
Im Zentrum des Trainings stand die Verbindung unterschiedlicher fachlicher Perspektiven. Die Teilnehmenden setzten sich mit dem Zusammenspiel von musikalischen Traditionen, Handschriftenkultur und deren religiösen sowie gesellschaftlichen Kontexten auseinander.
Der musikgeschichtliche Teil wurde von Gioia Filocamo (Conservatorio di musica „Giulio Briccialdi“ di Terni; Universität Parma) geleitet. Sie vermittelte anhand ausgewählter Beispiele Einblicke in mittelalterliche Repertoires und deren Funktion im religiösen und sozialen Leben.
Ergänzend dazu erhielten die Teilnehmenden eine Einführung in digitale Forschungswerkzeuge und Datenbanken. Sie lernten, wie historische Quellen identifiziert, kontextualisiert und mit digitalen Methoden erschlossen werden können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass historische Überlieferung immer fragmentarisch ist und Forschung auch mit Unsicherheiten umgehen muss.
Praktische Kompetenzen für Forschung und Beruf
Ein besonderer Mehrwert des Trainings lag in seinem praxisorientierten Ansatz. Die Teilnehmenden arbeiteten direkt mit Quellen und entwickelten Fähigkeiten, die sowohl in der Forschung als auch in kulturwissenschaftlichen Berufsfeldern relevant sind.
Das Handschriften-Training wurde von Christoph Winterer (Wissenschaftliche Stadtbibliothek Mainz) unterrichtet. Er führte in die Arbeit mit mittelalterlichen Manuskripten ein, vermittelte den Umgang mit einschlägigen Datenbanken und leitete praktische Übungen zur Lektüre und Transkription historischer Schriften an.
Durch die Kombination aus praktischen Übungen, digitalen Tools und sinnlicher Annäherung an die Materialien konnten die Teilnehmenden ein breites methodisches Repertoire aufbauen. Die Verbindung von Hören, Sehen und Analysieren förderte zudem ein reflektiertes Verständnis dafür, wie wissenschaftliche Interpretation entsteht.
Kulturelles Erbe neu denken
Das Training regte dazu an, kulturelles Erbe aus neuen Perspektiven zu betrachten. Durch die direkte Auseinandersetzung mit Musik und Handschriften wurde erfahrbar, wie religiöse Bedeutung konstruiert, vermittelt und überliefert wird.
In der abschließenden Reflexionsphase hoben die Teilnehmenden insbesondere hervor, wie Musik als soziales und symbolisches Medium fungiert, wie sich künstlerische Ausdrucksformen in Handschriften entwickeln und welche Rolle Digitalisierung für den Zugang zu kulturellem Erbe spielt. Gleichzeitig wurde die Bedeutung eines bewussten Umgangs mit Wissenslücken und fragmentarischen Quellen deutlich.
Das Training zeigt exemplarisch, wie innovative, nutzerzentrierte Formate im Rahmen von RESILIENCE dazu beitragen können, Forschung und Praxis im Bereich Religionsforschung und kulturelles Erbe nachhaltig zu stärken.
Weitere Informationen
Der RESILIENCE Training Management Plan enthält konkrete Empfehlungen für die Konzeption und Umsetzung zukünftiger Trainingsangebote, die Erhebung des Trainingsbedarfs und vieles mehr.
Der RESILIENCE Training Management Report dokumentiert die Entwicklung und Evaluation der Trainingsformate.
Über RESILIENCE
RESILIENCE ist eine europäische, interdisziplinäre Forschungsinfrastruktur, die der wissenschaftlichen Erforschung von Religion in allen akademischen Disziplinen dient. Sie vernetzt Forschungszentren, Datenhalter und Serviceangebote in ganz Europa und entwickelt neue Instrumente und Dienstleistungen für die wissenschaftliche Community.
RESILIENCE wurde 2021 in die ESFRI Roadmap aufgenommen und erhält seitdem Fördermittel der Europäischen Kommission für die Vorbereitungsphase (2022–2026) und die Transitionsphase („Transition-to-Implementation“, 2026–2028).
RESILIENCE Konsortium-Partner
- Albanian University UFO (Tirana, AL)
- Bar-Ilan University (Ramat Gan, IL)
- CINECA (Casalecchio di Reno, IT)
- École Pratique des Hautes Études (Paris, FR)
- Fondazione per le Scienze Religiose (Bologna, IT)
- Institut für Angewandte Informatik (Leipzig, DE)
- KU Leuven (BE)
- Sofia University “St. Kliment Ohridski” (Sofia, BG)
- Theological University of Apeldoorn (NL)
- University of Münster (DE)
- University of Sarajevo (BIH)
- University of Warsaw (PL)
- Volos Academy for Theological Studies (GR)
Kontakt
Alexandra Nusser, Institut für Angewandte Informatik (InfAI) e.V. Leipzig: nusser@infai.org