Das Projekt Media Freedom Rapid Response („Krisenreaktionsdienst für Medienfreiheit“) verfolgt und überwacht Verletzungen der Presse- und Medienfreiheit in den EU-Mitgliedstaaten und Kandidatenländern und reagiert darauf. Das Projekt bietet rechtliche und praktische Unterstützung, öffentliche Fürsprache und Informationen zum Schutz von Journalist:innen und Medienschaffenden.

Die Implementierung des Mechanismus ist eine Reaktion auf die aktuell steigenden Bedrohungen der Presse- und Medienfreiheit in einigen EU-Mitgliedstaaten und Ländern, die für einen Beitritt kandidieren.

Verantwortlich für das MFRR-Projekt ist ein Konsortium unter der Führung des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit in Leipzig (ECPMF), dazu gehören außerdem Artikel 19, die Europäische Journalistenföderation (EFJ), Free Press Unlimited, das Internationale Presseinstitut in Wien, CCI/Osservatorio Balcani e Caucaso Transeuropa und das Institut für Angewandte Informatik der Universität Leipzig (InfAI) e.V.

Umfangreiches Angebot zum Schutz von Presse und Medien

Das Arbeitsprogramm des Konsortiums umfasst die Entwicklung koordinierter, schneller Reaktionen auf Verstöße gegen die Presse- und Medienfreiheit. Themenschwerpunkte sind unter anderem Online-Belästigungen, insbesondere weiblicher Journalistinnen, rechtliche Bedrohungen wie SLAPP („Strategic Lawsuits Against Public Participation“), der Kampf gegen die Straflosigkeit für Kriminelle, die Personen der Presse attackieren, und die Situation der Medienfreiheit in ausgewählten Ländern.

Im Rahmen des Programms werden die Projektbeteiligten eine breite Palette von Instrumenten implementieren; von Advocacy über Awareness-Kampagnen, Rechtshilfe und praktische Unterstützung, bis zu Trainings und Beratung.

Die Beobachtung von Verstößen gegen die Presse- und Medienfreiheit führen hauptsächlich die Projektmitglieder IPI und EFJ durch. Beide Organisationen verfügen über große Mitglieder- und Kontaktnetzwerke in ganz Europa, die eine Schlüsselressource für das Monitoring sind. Die gemeinsame Plattform, auf der die Presseverletzungen veröffentlicht werden, ist mappingmediafreedom.org. Ausgewählte Fälle werden auch auf der Plattform des Europarates zum Schutz des Journalismus und zur Sicherheit von Medienschaffenden dargestellt.

Das InfAI bereichert das MFRR-Projekt um automatisierte Erkennung der Pressefreiheitsverstöße. Es entwickelt während des Projektzeitraums zusätzlich eine neue Methode, um Pressefreiheitsverletzungen zu erfassen.

Das Kontaktnetzwerk der Organisationen ist eine sehr wertvolle Quelle für das Monitoring. Dennoch ist eine umfassende Aufnahme von Verletzung gegen die Medien- und Pressefreiheit europaweit nur schwer manuell zu realisieren, weshalb ein automatisches Verfahren unterstützend integriert wird. Hierzu werden große Textmengen aus Nachrichten und sozialen Medien aus zahlreichen Quellen in ganz Europa und darüber hinaus analysiert, um automatisiert Berichte über Pressefreiheitsverletzungen zu identifizieren und zu klassifizieren. Diese Methode beruht u.a. auf automatischer Texterkennung und künstlicher Intelligenz. Die Ergebnisse werden anschließend in aufbereiteter Form Fachkundigen zur Verifikation übergeben.  Auf diese Weise kann ein umfangreiches Monitoring mit systematischer und wissenschaftlicher Basis umgesetzt werden.

Ein weiterer Aspekt bei der Weiterentwicklung der MFRR-Plattform durch das InfAI wird die Analyse der verifizierten Fälle sein. Hierzu werden verschiedene Statistiken und Trends basierend auf Metadaten und Textanalyse erstellt. Diese Analyseergebnisse zeigen verschiedene Perspektiven auf die Daten und erlauben damit ein besseres Verständnis dieser. Außerdem geben die Ergebnisse die Möglichkeit auf weitere, tiefere Aufschlüsse über den Status der Pressefreiheit, sowie dessen Trends, sowohl allgemein als auch bezogen auf bestimmte Länder oder spezielle Themen.

Unterstützung des Projekts für mehr Pressefreiheit seitens der EU

Alle Aktivitäten des MFRR-Projekts konzentrieren sich auf EU-Mitgliedstaaten und Länder, die sich für einen Beitritt in die EU bewerben. Die Europäische Kommission unterstützt das Projekt mit Fördermitteln in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Initiiert hat das Programm das Europäische Parlament, um die Presse- und Medienfreiheit in der Europäischen Union besser zu verteidigen.

Projektlaufzeit: 03/2020-02/2021
Fördernummer: LC-01442902
EU-Förderprogramm: Media freedom and investigative journalism

Projektwebseite

Projektteam

  • Prof. Dr. Gerhard Heyer
  • Benjamin Bock
  • Tariq Yousef
  • Jonas Nathanael Philip

Projektförderung

Projektbeteiligte